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Professional Campus | UW/H

Auf einen Kaffee mit... Heiko Kleve

Unsere Mitarbeiterin Senta Otto, Beraterin und Betreuerin des Qualifizierungsprogramms Gesellschafterkompetenz am Professional Campus | Universität Witten/Herdecke, traf sich mit Prof. Dr. Heiko Kleve vom Wittener Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke (WIFU).

 

Lieber Heiko, woran arbeitest Du gerade?

HK:

Ich arbeite gerade an mehreren Forschungs- und Publikationsprojekten. Zwei sehr spannende Themen sind – zum einen – unser Projekt „Narratives of Survival“ und – zum anderen – ein Beitrag zum Thema „Beratung in Unternehmerfamilien“, den ich gerade schreibe. In dem Forschungsprojekt befassen wir uns mit sehr alten Familienunternehmen und interessieren uns für die Geschichten, die in den Familien über die Bewältigung von herausfordernden Krisen erzählt werden. Denn wir sind der Auffassung, dass diese Geschichten sehr viel Wissen über die erfolgreiche Bewältigung von existenziellen Herausforderungen enthalten. Dieses narrative, also immer weiter erzählte Wissen arbeiten wir heraus. In dem Beitrag zu „Beratung in Unternehmerfamilien“ systematisiere ich sowohl die Beratungsthemen als auch die besondere Expertise, die in diesem Feld notwendig ist, um Familienunternehmer|innen sowohl hinsichtlich ihrer Familie als auch ihrer Unternehmens- und Eigentumsverantwortung konstruktiv und erfolgreich unterstützen zu können.

 

Was sind die größten Herausforderungen mit denen Familienunternehmen derzeit konfrontiert sind?

HK:

Ein anhaltendes Thema ist und bleibt die Frage, wie die Familie es schafft, ihre Führungs- und Eigentumsverantwortung für ihr Unternehmen zu realisieren. Gerade in Zeiten, die von vielen Umbrüchen gekennzeichnet sind, die das Leben von Menschen verunsichern, ist es wichtig, dass Unternehmerfamilien hinsichtlich ihres Unternehmens Sicherheit, Klarheit und nachhaltiges Commitment signalisieren. Dies ist genauso für die Mitarbeiter|innen wie für die Kund|innen und Geschäftspartner|innen von großer Bedeutung. Da sich in unserer Gesellschaft familiäre und individuelle Werte sowie Lebenswege und berufliche Entscheidungen nicht mehr von selbst verstehen, muss auch in Unternehmerfamilien viel kommuniziert und gemeinsam ausgehandelt werden. Dafür benötigen die familiären Eigentümer|innen die notwendigen Theorien, die passenden emotionalen Haltungen und das wirksame methodische Geschick.

 

 

Was kann man von der jüngeren Generation lernen?

HK:

Die jüngere Generation kommuniziert offener, ist besser als ältere Generationen dazu in der Lage, ihre Bedürfnisse und Gefühle zu verbalisieren. Gerade wenn es darum geht, gemeinschaftliches Arbeiten, ob in Teams oder Unternehmerfamilien, zu organisieren und zum Erfolg zu bringen, reicht es nicht, das nötige Wissen dafür zu haben. Emotionale und kommunikative Kompetenz ist vielleicht wichtiger als je zuvor, um anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen, die nur gemeinschaftlich, nur von Teamplayern zum Ziel geführt werden können. In dieser Weise zu arbeiten, können die Jungen meist besser als die Alten.

 

Was heißt für Dich Zukunft gestalten?

HK:

Zukunft gestalten bedeutet für mich, dass ich alles, was ich heute tue auch vor dem Hintergrund einer Zukunft mache, in der auch meine Kinder und Enkel noch glücklich leben können und wollen. Der Begriff der „Nachhaltigkeit“ drückt für mich genau das aus: Enkelfähigkeit zu sichern. Familienunternehmen sind eines der besten Beispiele dafür, wie das wirtschaftlich und sozial gelebt werden kann.

 

 

Prof. Dr. Heiko Kleve
Prof. Dr. Heiko Kleve, Universität Witten/Herdecke

 

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